Marketing outsourcen lohnt sich im Mittelstand dann, wenn bei dir niemand Vollzeit fürs Marketing da ist und trotzdem regelmäßig Broschüren, Website-Texte oder Kampagnen rausmüssen. Du gibst die Umsetzung ab, die Entscheidungen behältst du. Und solange bei dir keine 40 Stunden Marketing pro Woche anfallen, ist es fast immer günstiger als eine eigene Stelle.
Klingt einfach. Ist es auch, wenn du vorher klärst, was du abgibst, an wen und wie du das steuerst.
Wann lohnt es sich, Marketing auszulagern?
Das Bild kenne ich aus vielen Firmen: Der Vertriebsleiter organisiert die Messe, die Assistenz der Geschäftsführung pflegt die Website, und die Broschüre ist von 2019. Jeder macht ein bisschen Marketing. Zeit dafür hat keiner.
Typische Zeichen, dass du auslagern solltest:
- Neue Produkte gehen mit Datenblatt raus, sonst kommt nichts.
- Auf LinkedIn passiert seit Wochen nichts.
- Es gibt ein Budget, aber niemanden, der es sinnvoll ausgibt.
- Die Agentur liefert, aber im Haus kann sie keiner richtig briefen.
Treffen zwei davon zu, lohnt sich das Auslagern.
Und wann nicht? Wenn dein Marketing jeden Tag eng mit Produktion und Vertrieb abgestimmt werden muss, etwa bei einem riesigen Sortiment mit ständigen Änderungen. Dann brauchst du jemanden im Haus. Ein externer Partner kann den entlasten, ersetzen kann er ihn nicht.
Welche Marketing-Aufgaben du abgeben kannst und welche im Haus bleiben
„Gib alles ab, was nicht Kerngeschäft ist“ liest man oft. Ich persönlich finde das zu grob. So teile ich es auf, und das ist nicht die einzige richtige Aufteilung, aber die, die sich bei mir in der Praxis bewährt hat:
| Aufgabe | Abgeben | Bleibt bei dir |
|---|---|---|
| Positionierung und Kernbotschaften | Erarbeiten lassen, im Workshop mit Vertrieb und Technik | Die Entscheidung |
| Website-Texte, Fachartikel, Broschüren | Komplett | Fachliche Freigabe |
| Gestaltung und Satz | Komplett | – |
| LinkedIn-Posts | Schreiben und planen | Kommentare, Gespräche mit Kunden |
| Google und Meta Ads | Aufsetzen, optimieren, auswerten | Budgetfreigabe |
| Messe | Unterlagen, Standgrafik, Social-Begleitung | Standpersonal, Kundengespräche |
| Angebote und Kundenbeziehungen | Nichts | Alles |
Die Faustregel dahinter: Was du einmal gut erklärst und was sich dann wiederholt, kannst du abgeben. Wo ein Kunde mit dir persönlich spricht, bleibst du dran.
Was kostet es, Marketing auszulagern?
Hier drücken sich die meisten Ratgeber um eine Antwort. Deshalb ein Rechenbeispiel.
Eine eigene Stelle. Eine Referentin für Marketing und Kommunikation verdient laut StepStone im Median rund 45.500 € brutto im Jahr. Obendrauf kommen der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Arbeitsplatz, Software und Weiterbildung. Du liegst damit deutlich über 55.000 € im Jahr. Dafür hast du eine Person, die nicht alles kann. Texte ja, Satz vielleicht, Ads eher nicht.
Ein Freelancer. Du zahlst, was du brauchst. Laufender Content mit zwei Fachartikeln und acht LinkedIn-Posts im Monat liegt bei vielen Freelancern grob zwischen 1.000 und 2.000 €. Ein kompletter Produktlaunch mit Broschüre, Händlerunterlagen und Kampagne einmalig im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich.
Eine Agentur. Meist teurer pro Leistung, dafür arbeiten mehrere Leute parallel. Das lohnt sich bei großen Kampagnen mit Video, Fotoshooting und Mediaplanung.
| Variante | Was du bekommst | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Eigene Stelle, Vollzeit | Eine Person, 40 Stunden pro Woche | deutlich über 55.000 € |
| Freelancer, laufender Content | 24 Fachartikel und 96 LinkedIn-Posts | ca. 12.000 bis 24.000 € |
| Freelancer, laufender Content plus zwei Launches | Dazu zwei komplette Produkteinführungen | ca. 18.000 bis 32.000 € |
Ganz fair ist der Vergleich nicht, eine Stelle macht mehr. Die eigentliche Frage lautet aber: Hast du überhaupt 40 Stunden Marketing pro Woche? Im Mittelstand ohne Marketingabteilung fast nie. In einem typischen Betrieb sind es eher 20 bis 30 Stunden pro Woche. Mit einer Vollzeitstelle bezahlst du also ein Viertel bis die Hälfte der Zeit mit, ohne sie zu brauchen.
Freelancer oder Agentur: was passt zu dir?
Ein Freelancer passt, wenn du einen festen Ansprechpartner willst, der selbst schreibt und gestaltet. Eine Agentur passt, wenn du viele Gewerke gleichzeitig brauchst und intern jemanden hast, der sie steuert.
Den hast du nicht? Dann geht das Agenturbudget in Abstimmungsschleifen drauf. Ein typisches Bild: Die Agentur schickt Entwürfe für die neue Broschüre, Vertrieb, Technik und Geschäftsführung kommentieren jeweils etwas anderes, und nach der vierten Runde ist das Budget weg, bevor etwas gedruckt ist.
Meine Erfahrung ist: Im Mittelstand ohne Marketingabteilung fährt man mit einem festen Ansprechpartner fast immer besser. Es gibt Ausnahmen, etwa wenn Video und Mediaplanung den größten Teil ausmachen.
So gehst du beim Outsourcen vor
- Bestandsaufnahme: Welche Unterlagen, Kanäle und Zahlen gibt es schon? Eine Stunde reicht.
- Ziele für sechs Monate: zwei, höchstens drei. Etwa „neues Produkt im Großhandel listen“ oder „zehn Anfragen über die Website“.
- Partner auswählen: Arbeitsproben ansehen, die zu deiner Branche passen. Dann ein kleines Probestück beauftragen, zum Beispiel einen Fachartikel.
- Einen internen Ansprechpartner festlegen, der freigibt. Einen, nicht fünf.
- Rhythmus vereinbaren: ein Termin im Monat, Freigaben innerhalb von drei Werktagen.
- Nach drei Monaten prüfen: Was ist rausgegangen, was hat es gebracht?
An Punkt 4 scheitert es am häufigsten. Meistens sieht das so aus: Der Text liegt fertig beim Produktmanager, der ist zwei Wochen beim Kunden oder auf der Messe, und danach will noch der Vertriebsleiter drüberschauen. Aus drei Tagen werden sechs Wochen.
Worauf du bei Vertrag und Daten achten solltest
- Lass dir die Nutzungsrechte an Texten und Grafiken schriftlich übertragen.
- Zugänge zu Website, LinkedIn und Ads-Konto laufen auf dein Unternehmen, nie auf den Dienstleister.
- Bei laufenden Leistungen höchstens einen Monat Kündigungsfrist.
- Verarbeitet der Dienstleister Kundendaten, etwa für den Newsletter, brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO.
Häufige Fragen
Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich Marketing-Outsourcing?
An der Größe hängt es weniger als an der Frage, ob intern jemand Zeit hat. Ein Betrieb mit 15 Leuten und neuem Produkt braucht es oft dringender als einer mit 200, der eine Assistenz fürs Marketing abstellt.
Verliere ich die Kontrolle über mein Marketing?
Nein, solange die Zugänge bei dir liegen und du freigibst. Was rausgeht, entscheidest du.
Wie schnell kann es losgehen?
Nach Erstgespräch und Bestandsaufnahme meist innerhalb von zwei Wochen.
Kann ich erst mal klein anfangen?
Ja. Ein einzelner Fachartikel reicht, um zu sehen, ob die Zusammenarbeit passt.
Dein nächster Schritt
Nimm dir die Tabelle oben und markier, was bei dir gerade liegen bleibt. Das ist deine Liste fürs Auslagern.
Und wenn du jemanden suchst, der genau das abdeckt: Schreib mir einfach.
